14.3.2012 Frankfurter Rundschau

Ausgezeichnetes Ensemble

Die Besten in Hessen

Mandolinenorchester Neuenhain kämpft gegen das verstaubte Image der Zupfmusik.

 

        Helmut Oesterreich dirigiert die Musiker zum Erfolg.
Helmut Oesterreich dirigiert die Musiker zum Erfolg.
Foto: Bernd Fickert


Über mangelnde Möglichkeiten zum Musizieren können sich die Mitglieder des Mandolinenorchesters Neuenhain (MON) derzeit nicht beschweren. Erst vor wenigen Tagen ist das Orchester von einer Reise nach England zurückgekehrt, wo es Konzerte in London und Birmingham gegeben hat. Am vergangenen Sonntag waren die Musiker beim Preisträgerkonzert des Hessischen Orchesterwettbewerbs in Frankfurt zu hören. Im November hatten die Neuenhainer sich beim Wettstreit der Laienmusiker als bestes hessisches Zupforchester qualifiziert.
 

Und weil es nicht das erste Mal ist, dass die Neuenhainer einen solchen Preis bekommen haben, dürfen sie sich mit Recht als eines der besten und renommiertesten Mandolinenorchester Deutschlands bezeichnen. Dass es sich bei allen Orchestermitgliedern um Laienmusiker handelt, sei am musikalischen „Endergebnis“ bei den regelmäßigen Konzerten kaum zu erkennen, lobt Dirigent Helmut Oesterreich. „Der Unterschied zu den Profis ist, dass wir länger üben müssen, bis es perfekt ist.“

Dass auch tatsächlich genug geübt wird, dafür sorge ein „toller Enthusiasmus“, der allen Mitspielern eigen sei. „Es ist schon faszinierend, dass ich mit Leuten, die ja alle beruflich etwas ganz anderes machen, so kontinuierlich proben kann“, freut sich Orchesterleiter Oesterreich.

So kommt es, dass das MON bei seinen regelmäßigen Konzerten im Neuenhainer Bürgerhaus anspruchsvolle Stücke zum Besten geben kann. Neben Bearbeitungen bekannter klassischer Werke hat das Orchester auch Volkstümliches und zeitgenössische Werke in seinem Repertoire. „Die Bandbreite reicht heute von der Renaissance-Musik bis zur Moderne“, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Petra Schütrumpf.

In den Jahren direkt nach der Gründung des MON im Jahr 1924 war das noch anders. Zunächst hieß der Verein „Mandolinenclub Taunusblüte“. Die 13 Gründungsmitglieder musizierten ausschließlich zum eigenen Vergnügen – besonders gerne während ausgedehnter Wanderungen in der Natur. Erst drei Jahre nach der Vereinsgründung spielte der Club zum ersten Mal in der Öffentlichkeit, und zwar bei einem Wettbewerb. Während in den 20er Jahren aus der Arbeiter- und Wandervogelbewegung heraus viele neue Zupforchester entstanden, haben heute die meisten dieser Ensembles – sofern sie noch bestehen – mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen.

 

„Mandolinenspieler gibt es nicht mehr so viele“, bedauert Mitspielerin Simone Pfundstein. Das liege möglicherweise daran, dass das Instrument ein etwas verstaubtes Image habe, und viele beim Zupforchester „vor allem an Volksmusik“ denken. Immerhin noch 30 Hobbymusiker sind zurzeit in den beiden Orchestern des Vereins aktiv – neben dem Hauptorchester gibt es seit 1971 auch ein Jugendensemble.

Das präsentiert sich unter anderem bei Mitmach-Konzerten für Kinder und Schnupperstunden in der Grundschule. Nicht nur das Spiel der heute etwas exotischen Mandoline und ihrer noch unbekannteren, tiefer gestimmten Schwester, der Mandola, kann im Verein praktiziert werden. Auch populärere Instrumente wie Gitarre und Kontrabass gehören mit zur Besetzung. „Wir machen relativ viel Jugendarbeit“, sagt MON-Vorsitzende Ute Stichert.

Und so sind die meisten Orchestermitglieder auch schon seit ihrer Kindheit dabei – einige Neuzugezogene aus Bad Soden und Umgebung wurden in den vergangenen Jahren durch die Internetseite des Vereins auf das Orchester aufmerksam und stießen dazu. Doch die beste Werbung für das MON ist das jährliche Frühjahrskonzert, das im Neuenhainer Musikleben seinen festen Platz hat. Nur noch wenige Proben bleiben Helmut Oesterreich und den Orchestermusikern für den letzten Feinschliff am Konzertprogramm, das auch diesmal wieder „anspruchsvolle Musik aus allen Epochen“ umfassen wird, wie Ute Stichert betont.

Das Konzert beginnt am Samstag, 24. März, um 19 Uhr im Bürgerhaus, Hauptstraße 45. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf für 8 Euro (ermäßigt 4 Euro) bei Presse Butzer, Hauptstraße 41