23.3.2010 Höchster Kreisblatt

Metal und Mandoline

Abwechslungsreiche Stücke im vollbesetzten Bürgerhaus

Von Lutz Riehl


Frühlingshaft startete das Mandolinenorchester in Neuenhain in die warme Jahreszeit. Das Jugendensemble hatte dabei ein ganz modernes Programm eingeübt.

Neuenhain. Es ist inzwischen zu einer schönen Tradition geworden, dass das Frühlingskonzert von beiden Formationen des Mandolinenorchesters Neuenhain (MON) gestaltet wird. Neben dem «großen» Orchester war auch dieses Mal wieder das Jugendorchester «MONsters» unter der bewährten Leitung von Christa Keller zu hören.


Kuschel-Klassiker

Der erste Teil des Konzertes gehörte dann auch ganz den «MONsters», die den Abend mit einer schwungvollen Sinfonia in G-Dur von G. B. Sammartini (1701 - 1775) betont traditionell eröffneten. Das junge Ensemble zeigte bereits bei diesem Vortrag, dass sich gute Vorbereitung und Üben lohnt. Einen gewaltigen Sprung in die Gegenwart riskierte man mit «A Whiter Shade Of Pale», einem echten Kuschel-Rock-Klassiker von «Procol Harum», eine Rechnung, die nicht zuletzt dank des gut gespielten Gitarrenintros von Lukas Ernst, voll aufging. Die «Bretonische Suite» von Manfred Flachskampf bot den Musikern eine schöne und gut genutzte Gelegenheit, die Zuhörer noch einmal mit Schwung zu begeistern. Wer sich schon immer die Frage gestellt hat, ob man möglicherweise Mandolinenklänge und «Heavy Metal» miteinander verbinden kann, erhielt bei dem sich anschließenden Vortrag eine klare Antwort: Ja! Für die Darbietung des Metallica-Titels «One», einer düsteren Nummer, die von einem schwer verletzten Soldaten handelt, hatten die «MONsters» neben ihren Mandolinen so einiges aufgeboten. Neben Kevin Jakubowski an der E-Gitarre und Sascha Schulz mit der Shredderguitar, machte auch Ole Anderka, der den Gesang teils englisch, teils deutsch gestaltete, auf sich aufmerksam. Eines steht zweifelsfrei fest, eine solch besondere Besetzung findet man bei Musik von Metallica selten, was auch der begeisterte Beifall des zahlreich versammelten Publikums bezeugte.

Auch Freunde der Filmmusik sollten nicht zu kurz kommen: Zum Ausklang des ersten Teiles verabschiedeten sich die «MONsters» mit «He’s A Pirate» aus dem Soundtrack von «Fluch der Karibik». Der Nachwuchs hatte den alten Hasen eine deutliche Steilvorlage gegeben. Als Zugabe erklang das erklärte Paradestück der

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«MONsters» «Rock Around The Clock».

 


Da können sich andere Vereine eine Scheibe abschneiden. Nachwuchsprobleme gibt es bei den Neuenhainer Mandolinern nicht. Foto: Nietner



Das Mandolinenorchester Neuenhain meisterte diese Herausforderung dann auch mit Bravour. Unter der Leitung von Helmut Oesterreicher stand zu Beginn des zweiten Teiles das Minuetto aus der «L’ Arlásienne Suite» von Georges Bizet (1838 - 1875) auf dem Programm, bei dem ganz klar wurde, dass auch die Großen gut mithalten können. Mit «Souq» von Christopher Grafschmidt folgte im Anschluss ein hübsches Beispiel für unterhaltsame zeitgenössische Musik, das nicht zuletzt durch seine schöne Darbietung überzeugte. In vielfältigen Klangfarben und baltischen Rhythmen wird das Treiben auf einem arabischen Markt bemerkenswert in Musik gesetzt. Danach ging es mit dem munteren Allegro aus der Sonate in A von Carl Philip Emanuel Bach (1714 - 1788) zurück in die Zeit der Frühklassik.


Bernsteins «America»

Eine komplett gegensätzliche, wenn auch nicht weniger reizvolle Klangwelt betrat das MON schließlich mit dem Vortrag von «Brujeria» von Jorge Borrego und dem temperamentvollen «Spain» von Chick Corea mit Klaus Holthaus an der Gitarre. Für den klangvollen Schlusspunkt traten das MON und die MONsters schließlich gemeinsam auf und boten mit «America» von Leonhard Bernstein (1918 - 1990) einen zeitlosen Klassiker. Das Publikum bedankte sich mit viel Beifall. Als Zugabe erklang das Titelthema aus den James-Bond-Filmen.

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